Die Liebe zu alten Kufen

101219-1401-schlitte4 (1)© Oliver Krato – Neue Westfälische, 19.12.2010

Über 50 Jahre lang trug mein Vater, der Textilkaufmann Horst-August Bollweg („Münchner geworden und Westfale geblieben“ wie er von sich selbst sagt), Schlitten aus Mitteleuropa und Skandinavien zusammen. Seine Leidenschaft für Kufen begann dabei eher zufällig. Als passionierter Sammler legte er zunächst den Fokus auf textile Gerätschaften und Grafiken, die er auf seinen vielen Geschäftsreisen entdeckte.

Als er 1965 einen 300 Jahre alten Webstuhl entdeckte, wurde dieser jedoch nur zusammen mit einem niederbayerischen Kirchschlitten verkauft: „Ich wollte ihn sofort weiterverkaufen, aber das klappte nicht. Er stand so lange auf meiner Terrasse, bis mir die Augen für dieses besondere Stück geöffnet wurden“ (Interview mit „Welt am Sonntag“, 02.05.2005).

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© Sammlung Bollweg
Nun war seine Sammelleidenschaft für historische Schlitten entfacht. Und damit auch die Neugier und der Wissensdurst, mehr über diese zu erfahren. Auf seinen Reisen stöberte er in Bauernhöfen nach Schlitten, die kaum noch gebraucht wurden und oft im hintersten Winkel dem allmählichen Verfall ausgesetzt waren. Stück um Stück wanderte so in seinen Besitz. Von der soliden Handwerkskunst der alten Schlitten-Zeit ist er noch heute überzeugt: „Da stimmten die Proportionen so exakt wie beim goldenen Schnitt, alle Details waren liebevoll gestaltet. Beeindruckend, wenn man an die sparsamen Mittel unserer Vorfahren denkt.“ (Interview mit der „Welt am Sonntag“, 02. Januar 2005). Mit über 250 Schlitten handelt es sich heute bei der „Sammlung Horst-August Bollweg“ wohl um die größte und einmalige ihrer Art in Europa. Das älteste Stück ist ein Lastenschlitten von 1830. Das jüngste ein Hornschlitten aus dem Jahr 1955.

Während die meisten seiner prächtigen Schneegefährte im Depot am Stadtrand Bielefelds lagern, erfüllte sich mein Vater auch den Traum eines eigenen „Privatmuseums“. In hohen Regalen stapelt sich dort all dies, was er bei seinen Streifzügen nicht zurücklassen konnte. Schuhe aus dem 19. Jahrhundert liegen neben Kanonenkugeln aus Napoleons Zeit. Hölzerne Schaukelpferde blicken einem entgegen. Auf dem Boden stehen uralte Kinderstühlchen. Alte Öfen, die zum Wärmen nach Schlittenfahrten dienen konnten und wunderschöne Christbaumständer. Und natürlich Schlitten.

Mit viel Liebe zum Detail und großem Respekt ließ mein Vater seine Schlitten im Laufe der Jahre und Jahrzehnte von Experten restaurieren: Handwerker, die Lacke nach alten Rezepturen herstellten, ursprüngliche Muster und Initialen neu auftrugen, Schmiedearbeiten übernahmen und Polsterungen nach alten Vorbildern rekonstruierten.

Seine Ansprüche wurden selbst bedeutenden kulturhistorischen Museen gerecht und führten zu zahlreichen Ausstellungen. Die Schlitten der Sammlung Horst-August Bollweg verzauberten Kaufhäuser, Hotels und zahlreiche Geschäfte in winterliche Schlittenträume und glänzten in Film, Fernsehen und anderen Medien.

Sein Motto war stets: hegen – pflegen – weitergeben.

Und getreu dieses Mottos entstand nun diese Homepage.