Wenn wir heute von einem „großen Schlitten“ reden, meinen wir in der Regel ein chromblitzendes Auto. Bewunderung oder auch Neid erregten in früheren Jahrhunderten dagegen tatsächlich prunkvolle Schlitten, die bei Ausfahrten den Wohlstand und Status ihres Besitzers deutlich machten. Historisch gesehen passt der Schlitten in die Ahnenreihe des Autos, denn aufwändige Exemplare wurden von Stallmachern und Kutschenbauern hergestellt, die am Ende des Kutschenzeitalters zum Bau von Automobilen überwechselten.
Schlitten – ältestes Transportmittel der Welt
Sandige, morastige oder verschneite Böden waren zu allen Zeiten auf Kufen besser zu befahren als auf Rädern. Bereits die Ägypter verwendeten Schlitten beim Pyramidenbau zum Transport von Baumaterial. In Ländern mit schneereichen Wintern entwickelte sich eine große Fülle unterschiedlicher Kufenfahrzeuge zur Lasten- und Personenbeförderung. Auch im heute schneearmen Mitteleuropa gehörten Lastschlitten zum Alltag. Lang- und Brennholz wurden aus den Wäldern herangebracht, die Bauern transportierten Steine, Heu, Jauche und Milchkannen und fuhren mit einem respektableren Schlitten zur Kirche.
Vergnügen auf Kufen
Schon im Mittelalter ist das Schlittenfahren als Wintervergnügen belegt. Pferde, Rentiere, Ochsen oder Hunde dienten als Zugtiere. Die jungen Leute aus der adeligen oder bürgerlichen Oberschicht veranstalteten festliche Ausfahrten, sogenannte „Schlittagen“, die wegen des Beisammensitzens zu zweit als moralisch bedenklich galten. Harmlos war dagegen das Vergnügen der Kinder, die auf selbstgebastelten Schlitten die Hänge hinunter rasten oder sich über das Eis ziehen ließen. Noch im 20. Jahrhundert waren neben industriell gefertigten Schlitten viele Eigenbauten bei Kindern beliebt.
Schlittensport
Im Alpenraum und in Skandinavien entdeckten Erwachsene das Rodeln zunächst als zeit- und kraftsparende Fortbewegungsart. Als Ende des 19. Jahrhunderts Winterkurorte in Mode kamen, gehörte Rodeln bald zum Freizeitangebot. In Davos fand 1883 das erste Schlittenrennen unter Wettkampfbedingungen statt, bei dem 21 Fahrer aus acht Nationen an den Start gingen. Rasch wurden verschiedene Formen des Wintersports populär, unter denen Rodeln eine wichtige Stellung einnahm. Lange fuhr man auf Naturbahnen; der Bau von großen Kunsteisbahnen nach dem 2. Weltkrieg förderte die Professionalisierung des Sports, der 1964 olympische Disziplin wurde.